Fehler, Abweichungen und degradierte Zustände sollen im Betrieb erkennbar werden und dürfen nicht durch kosmetische Workarounds, stillschweigende Umgehungen oder verdeckende Gewohnheiten unsichtbar gemacht werden. Ein geordneter Betrieb lebt davon, dass Probleme klar wahrgenommen und eingeordnet werden können.
Dieses Prinzip richtet sich gegen eine typische Versuchung gewachsener Umgebungen: Ein Problem wird irgendwie umschifft, kaschiert oder lokal kompensiert, ohne dass der zugrunde liegende Zustand ausreichend sichtbar bleibt. Kurzfristig kann dies bequem wirken, langfristig untergräbt es jedoch Monitoring, Fehleranalyse und Systemverständnis.
Fehler sichtbar zu machen bedeutet nicht, jede Kleinigkeit maximal dramatisch zu behandeln. Es bedeutet vielmehr, relevante Abweichungen so zu erfassen, zu kennzeichnen und zu dokumentieren, dass der Betrieb seine eigene Realität nicht beschönigt. Nur ein sichtbarer Fehler ist ein beherrschbarer Fehler.